FSV OPTIK RATHENOW

Brandenburgischer Landespokalsieger 2013, 2014

OBERLIGA

LAST-MINUTE-SIEG IN WISMAR

Optik gewinnt ein verrücktes Spiel mit 4:3. Wismars Präsident sah ein "Topspiel", Ingo Kahlisch einen "Hitchcock-Krimi"...

Drei Feldverweise, drei Treffer unmittelbar aus Freistößen erzielt - also eine wüste Klopperei an der Küste? Die wohl treffendste Antwort lieferte Wismars Präsident bei der Pressekonferenz: "Heute sind alle Zuschauer zufrieden, wir haben ein tolles Spiel gesehen. Sieben Tore, eins schöner als das andere, das war Fußball. Auch wenn wir verloren haben, aber das war ein Topspiel!"

Die Aufstellungen kamen schon sehr zeitig, da gab es erst mal Rätselraten bei den erfreulich zahlreich angereisten Rathenower Anhängern unter den 196 Zuschauern. Wer würde neben Cihan Ucar auf der Sechs spielen, also quasi den Part von Jerome Leroy übernehmen? Es war Marc Langner, der einer der beiden tragischen Helden der Partie werden sollte...

Bis dahin dauerte es noch. Los ging es nämlich mit einer ganz unglücklichen Aktion. Im Gegensatz zu den letzten Wochen war Optik in der Hansestadt um Sicherheit gleich zu Beginn bemüht. Das sah solide aus, doch plötzlich rutschte Suguru Watanabe unbedrängt aus. Gegenspieler Ivanir Abelha Pais Rodrigues erfasste die Situation und noch ehe jemand seinen Namen vollständig aussprechen konnte, hatte er das 1:0 erzielt.

Rathenow schüttelte sich nur kurz und kam schnell durch Murat Turhan, der einen Pass von Süleyman Kapan verwertete, zum 1:1-Ausgleich. Im Anschluss zeigte der FSV eine wirklich gute Leistung. Zweimal scheiterte Marc Langner, der sich in der neuen Rolle sichtlich wohl fühlte, an Mauritz Mißner im Anker-Kasten. Ebenso hellwach war aber auch Bjarne Rogall, der beim Konter von Rodrigues rechtzeitig aus dem Tor geeilt war. Die letzte Gelegenheit der ersten Hälfte hatte dann wieder der Tabellenzweite - Julian Ringhof köpfte ganz knapp neben das Gehäuse.

Nach dem Wechsel blieb das Niveau hoch. Da es mehr Tormöglichkeiten gab, wurde es für die Fans noch unterhaltsamer. Zunächst musste Julian Ringhof eine scharfe Hereingabe vor der Linie klären. Dann erzielte Emre Turan nach Freistoß von Cihan Ucar per Kopf das 1:2. Ringhof, dessen Versuch auf der Linie entlangrollte und Dragan Erkic (Mißner hielt) verpassten anschließend die Vorentscheidung. Die besorgte, so dachten alle, Rathenows Bester. Einen nicht weit genug geklärten Ball jagte Langner mit Schmackes zum 1:3 ins lange Eck.

Der FCA aber dachte gar nicht daran, aufzugeben. Vom unglaublich temperamentvollen Trainer Dinalo Adigo angefeuert, steigerten die Ostseestädter noch einmal das Tempo. Erdogan Pini verzog um wenige Zentimeter. Dann kam Marc Langner am Strafraumeck einen Schritt zu spät. Bereits verwarnt, war Gelb-Rot von Schiedsrichter Christoph Beblik korrekt. Viel schlimmer: Den Freistoß köpfte Marco Bode zum 2:3 ins Netz.

Nun wollten die Gastgeber natürlich mehr und waren erfolgreich. Wieder Freistoß, wieder Bode - 3:3. Diesmal mit Glück, der Versuch blieb in der Mauer hängen und fiel dem Angreifer vor die Füße. Eben noch jubelnd, wurde Marco Bode kurz vor Schluss zum unglücklichsten Menschen im weiten Rund. Benjamin Wilcke hatte noch einmal mit einem feinen Steilpass Cihan Ucar auf die Reise geschickt. Wismars Doppeltorschütze kam einen Tick vor Cihan ans Leder, von seinem Fuss hoppelte der Ball ins untere linke Eck. Sein drittes Tor in elf Minuten, aber zum 3:4 ins falsche Netz.

Drei Minuten Nachspielzeit waren angezeigt. Als die um waren, hatte Rathenow nicht nur drei Punkte geholt, sondern das auch noch in Überzahl. Erst unterband Tom Ney einen Konterversuch des FSV regelwidrig, diese Gelb-Rote war genauso unstrittig wie die erste. Unübersichtlich war nur die Szene Sekunden vor Schluss, als der eingewechselte Arda Dülek nach einem Rempler hinfiel und beim Aufstehen erneut zu Boden ging. Wismars Kenan Hasicic, ebenfalls noch nicht lange auf dem Platz, erhielt glatt Rot, dann kam der Abpfiff.

Ingo Kahlisch: "Das war ein Hitchcock-Krimi. Wir wussten, dass Wismar eine gute Mannschaft hat. Der Fehler zu Beginn durfte nicht sein, aber danach haben wir heute teilweise sehr ordentlichen Fußball gespielt. Aber auch wir sind eine Amateurelf, das hat man in der zweiten Halbzeit gesehen. Selbst nach dem 3:1 konnten viele Spieler nur offensiv denken. Marc Langner, der heute erstmals auf ungewohnter Position spielte, muss ich ein Riesenkompliment machen, auch wenn Gelb-Rot natürlich berechtigt war. Ganz zum Schluss war der liebe Fußballgott nochmal für den FSV."

Dinalo Adigo: "Auch wenn es sich nach Eigenwerbung anhört, aber ein Kompliment an meine Mannschaft. Optik ist für mich die beste Mannschaft der Liga. Wieder, wie im Hinspiel, haben wir eine unserer stärksten Leistungen geboten. Damals haben wir das Tor nicht getroffen, heute haben drei nicht gereicht. Nach dem 1:0 konnten wir nicht druckvoll bleiben. In der zweiten Hälfte habe ich umgestellt. Nach dem 1:3 waren wir schockiert, haben dann noch mal die Taktik geändert, Druck gemacht und uns belohnt. Aber nach dem 3:3 würde eine clevere Mannschaft Ball und Gegner laufen lassen und notfalls eben 3:3 spielen. Das gelang uns heute nicht und trotzdem können wir stolz sein, so eine tolle Mannschaft zu haben. Glückwunsch an Rathenow, ihr solltet auch am Ende oben stehen."

Optik: Rogall - Watanabe (83. Dülek), Turan, Ringhof, Stachnik - Langner (76. G/R), Ucar (G) - Wilcke, Kapan (88. Krause), Erkic (67. Duljevic) - Turhan

Tore:
1:0 Pais Rodrigues (9.)
1:1 Turhan (17.)
1:2 Turan (50.)
1:3 Langner (68.)
2:3 Bode (78.)
3:3 Bode (83.)
3:4 Bode (89./Eigentor)

Gelb-Rot: Ney (90.+1)
Rot: Hasicic (90.+3)