FSV OPTIK RATHENOW

Brandenburgischer Landespokalsieger 2013, 2014

OBERLIGA

BITTERES REMIS GEGEN HALBERSTADT

Nach einer 3:1-Halbzeitführung kassiert Optik in der letzten Spielminute den unglücklichen 3:3-Ausgleich durch ein Eigentor.

Ein "tolles Spiel von beiden" sah Andreas Petersen, ein "Riesenspiel" Ingo Kahlisch. Und nicht nur die beiden Trainer. Zumindest vor dem Anpfiff ging ein Wunsch vom Optik-Coach in Erfüllung, der auf 700 Zuschauer gehofft hatte. Sogar 749 Fans entrichteten ihren Obolus, bescherten der Partie einen würdigen Rahmen.

Nur ganz zu Beginn gab es ein kurzes Abtasten. Da beide Mannschaften diszipliniert in der Abwehr standen, versuchten es die Aktiven über Standards. So fielen auch die Treffer der ersten Hälfte. Als der FSV nach etwa zehn Minuten die Anfangsnervosität abgelegt hatte, befiel diese den VfB-Keeper Fabian Guderitz. Einen schon gefangenen Eckball ließ er wieder fallen, Julian Ringhof reagierte am schnellsten und staubte zum 1:0 ab.

Postwendend trafen auch die Gäste, ebenfalls nach einer Ecke. Naja, fast postwendend. Den Kracher von Nico Hübner parierte Bjarne Rogall noch mit beiden Fäusten. Dann aber: Benjamin Wilcke spielte das Leder mit der Hand, so Schiedsrichter Lars Albert aus Muldenhammer. Genauen Aufschluss gaben auch die Fernsehbilder nicht, sie lassen zwar eher vermuten, dass Benny mit dem Rücken zum Ball angeköpft wurde, aber der Unparteiische hat keine Zeitlupe. So gab es halt Elfmeter, den Benjamin Boltze in die Mitte zum 1:1 verwandelte.

Nun war es an Rathenow, nicht geschockt zu sein. Ganz schnell berappelte sich der Gastgeber und zog ein Offensivfeuerwerk vom feinsten auf. Klasse, wie der Ball schnell durch das Mittelfeld lief, wie die Außen immer wieder sofort die Flanke oder wenn möglich den Abschluss suchten. Nach einer knappen halben Stunde war es dann soweit. Wieder war eine Ecke der Ausgangspunkt. Eigentlich machten die Würstchenstädter alles richtig, schlugen das Spielgerät aus dem Strafraum. Dort aber stand Cihan Ucar, der mit vollem Risiko volley abzog und genau in den Winkel zum 2;1 traf. Ein Traumtor!

Dann wurde es ein bisschen hektisch. Bei der Bedeutung des Spieles gab es natürlich viele rassige Zweikämpfe, die manchmal auch über die Grenzen des Erlaubten hinausgingen. Selbst der Reporter des mdr meinte zum Verhalten des VfB-Kapitäns Boltze, der sich erst fallen ließ und anschließend innerhalb von zwei Minuten zweimal grob zulangte: "Normalerweise hätte er jetzt Gelb/Rot sehen müssen." Der Schiri beließ es bei Gelb und zwei Ermahnungen. Erst mal ohne negative Folgen für den FSV - im Gegenteil. Ein Freistoß von Cihan Ucar landete über Umwege bei Emre Turan, der aus der Drehung über Guderitz hinweg zum 3:1 traf.

Die erste Viertelstunde der zweiten Hälfte gehörte auch noch Optik. Bei Julian Ringhof fehlten ein paar Zentimeter, bei Murat Turhan noch weniger. Sein Kopfball landete an der Latte. Hier der vierte Treffer... Doch dannn kam das, was Andreas Petersen ganz sachlich und nüchtern analysierte: "Wir haben ja die Bedingungen, mehr trainieren zu können und dadurch physische Vorteile." Das wurde auf dem Platz zunehmend deutlich.

Die Entlastung wurde immer weniger. Und auch Halberstadt hatte an diesem verregneten Mittwoch einen Kunstschützen. Kay Michel wuchtete den Ball unmittelbar neben den linken Pfosten zum 3:2-Anschluss ins Netz - ein Schuss wie ein Strich. Erneut Michel, diesmal knapp vorbei, und Adli Lachheb, der das Außennetz traf, verpassten den Ausgleich. Bei Optik kam vorne noch ein Freistoß von Jerome Leroy, den Fabian Guderitz hielt. Dafür warf man sich hinten in jeden Schuss, ging aufopferungsvoll in die Zweikämpfe, scheute keine noch so langen Wege. Bis zur 90. Minute ging das gut. Dann kam ein Schuss von Boltze, den Marc Langner unerreichbar für Bjarne Rogall ins eigene Netz lenkte. Bitterer und unglücklicher ging es nicht, aber noch stehen 90 Minuten aus, auch wenn es nun natürlich extrem schwer wird.

Andreas Petersen: "Ein tolles Spiel von beiden, das war regionalligawürdig. Mein Wunsch wäre, lasst beide hoch, verzichtet auf das Rückspiel. Als wir mit dem ersten Standard in Rückstand geraten sind, dachte ich noch 'Oh, Oh, jetzt müssen wir uns schütteln'. Wir haben uns geschüttelt und schnell den Ausgleich gemacht. Dann ein Tor des Monats und auch noch das 3:1. Aber wir wussten um unsere Physis, wir haben physische Vorteile, da wir ja nun mal die Bedingungen haben, mehr trainieren zu können, als andere. Deshalb habe ich den Jungs auch gesagt, kein Harakiri. Wir haben ja Qualität, das galt aber für beide, nochmal, das war absolut regionalligawürdig. Ich denke, am Ende war das 3:3 ein gerechtes Unentschieden, Kompliment wie viel Moral und Wille meine Mannschaft gezeigt hat. Optik hat alles gegeben, hatte dann aber nicht mehr so viel Kraft. So haben wir das zur Halbzeit unmöglich möglich gemacht, jetzt liegt der Druck nicht mehr bei uns. Nun werden wir zwei Tage regenerieren. "

Ingo Kahlisch: "Hut ab vor meinem Haufen. Mit der Einstellung und dem Spiel bin ich absolut zufrieden. Was uns noch fehlt, was wir vom Gegner noch lernen können, ist die Cleverness. Den Ball mal raushauen, sich auch mal am Boden wälzen, eine Schwalbe machen - Kollege Boltze hat es vorgemacht. Und das meine ich überhaupt nicht böse oder abwertend, das gehört nun mal einfach dazu. Die Jungs haben uns das ganze Jahr sehr viel Freude gemacht, es wäre schön, wenn jetzt in der Stadt noch mehr wach werden, merken, was für ein Werbeträger der FSV für die Gemeinde ist. Es war ein Superspiel von beiden und für unsere Verhältnisse ein Riesenspiel. Wir regenerieren auf Arbeit, da gibt es ein paar Kaffee mehr für meine Kunden. Wir werden Samstag alles geben, im Fußball ist alles möglich."

Bürgermeister Ronald Seeger: "Ich war gerade nach fast drei Jahren mal wieder in der Kabine und habe den Jungs gesagt, es ist erst Halbzeit! Ich sehe noch Chancen. Optik hat eine tolle Saison gespielt. Was im Stadion gemacht werden soll, haben wir ja nach vier Stadtversammlungen wirtschaftlich nun auf den Weg gebracht. Es wäre schön, wenn jetzt auch noch das sportliche dazu kommt."

Interviews, Bericht und das komplette Spiel auf mdr.de

Rathenow: Rogall - Watanabe, Turan (G), Ringhof, Stachnik (68. Duljevic) - Langner, Ucar - Wilcke, Leroy (G), Erkic (84. Kapan) - Turhan

Halberstadt: Guderitz - Blume, Lachheb, Messing (G/57. Goslar), Eggert - Michel (G), Baloki - Boltze (G), Twardzik (82. Schulze), Hübner (57. Schlegel/G)- Beil

Tore:
1:0 Julian Ringhof (12.)
1:1 Benjamin Boltze (16./Handelfmeter)
2:1 Cihan Ucar (28.)
3:1 Emre Turan (42.)
3:2 Kay Michel (63.)
3:3 Marc Langner (90./Eigentor)