FSV OPTIK RATHENOW

Brandenburgischer Landespokalsieger 2013, 2014

OBERLIGA

GROßER KAMPF NICHT BELOHNT

Trotz guter Leistung verliert Optik bei Germania Halberstadt mit 1:3 und bleibt in der Oberliga.

Eine Verletzung in der Anfangsphase, ein Germania-Kapitän, der nach Gelb wie im Hinspiel munter weiter die Gegenspieler umsenste, ein schönes Kopfballtor, das Hoffnung gab - es gab einiges, woraus sich die Schlagzeile des Rückspiels um den Regionalligaaufstieg formulieren ließe.

Im Gedächtnis vieler der über 100 Optikanhänger unter den 1103 Zuschauern dürfte aber eine andere, eher unscheinbare Szene geblieben sein. Unmittelbar nach dem 3:1 sprintete Jerome Leroy mit dem Ball in der Hand zum Anstoßkreis, links und rechts die Mannschaftskollegen anfeuernd. So wie die Nummer 16 in der Saison mit und an der Mannschaft gereift ist, sich als echtes Vorbild und würdiger Kapitän präsentierte, hat das ganze Team im Vorharz alles gegeben und bis in die Nachspielzeit unglaublich gekämpft.

Mit Süleyman Kapan für den urlaubenden Murat Turhan im Sturm begann die Partie wie eine Taktik-Lehrvorführung. Die Gastgeber auf Ballbesitz aus, das allerletzte Risiko verständlicherweise scheuend, Optik um Offensive bemüht. Was auffiel: Das Gedribbel in den Strafraum gab es selten, wer eine Lücke sah, zog sofort ab. Auch wenn die Schüsse von Cihan Ucar und Dragan Erkic nicht das Ziel fanden, es war das richtige Mittel.

Nach gerade zwölf Minuten wurde alles über den Haufen geworfen. Emre Turan sank schmerzverzerrt zu Boden, musste mit einer Zerrung vom Platz gebracht werden. Also wieder umstellen. Marc Langner rückte nach hinten, Jerome Leroy auf die Sechs und Semir Duljevic kam als Zehner. Am Geschehen änderte sich nichts. Florian Beil und Marcel Goslar kamen mit ihren Kontern nicht durch, Leroy scheiterte per Freistoß an Fabian Guderitz.

Fast "unfreiwillig" ging Halberstadt in Führung. Beil wurde nach einer Ecke angeköpft, von seinem Kopf sprang der Ball ins Netz. Rathenow machte genauso weiter und belohnte sich. Nach Flanke von Cihan Ucar gelang Julian Ringhof ebenfalls per Kopf das 1:1. Kurz vor dem Wechsel verpasste Semir Duljevic mit einem Freistoß ganz knapp die Führung.

Der VfB hatte durch Patrik Twardzik zwar die erste Nachpausenchance, dann hatte der FSV durch Kapan, Duljevic, Leroy und Erkic, dessen mit vollem Risiko abgezogener Volleykracher wohl unhaltbar gewesen wäre, selbst Möglichkeiten. Nach dem Doppelschlag der Gastgeber gab es die oben angesprochene Szene. Nun zeigte sich, welcher Charakter in dieser Optik-Elf steckt.

Trotz aussichtslosem Rückstand und zunehmender Schwüle lief ein Suguru Watanabe dem Süd-Zweiten mehrere Konter ab, raste Julian Ringhof ununterbrochen von hinten nach vorne und umgekehrt, wurde im Mittelfeld um jeden Ball unglaublich gekämpft. Meist fair, womit Ingo Kahlisch, der die Leistung von Schiedsrichter Rasmus Jessen aus Berlin mit "sehr ordentlich" beurteilte, beim einzigen Kritikpunkt war: "Wieder war es der Kapitän (Benjamin Boltze). Der kriegt Gelb und foult gleich danach zwei Mal grob, darf aber auf dem Platz bleiben. Das war schon im Hinspiel so."

Und da waren einschließlich der Nachspielzeit noch fünfzehn Minuten auf der Uhr. In dieser Zeit mussten die Germanen immer noch bangen. Julian Ringhof verpasste eine Eingabe um Zentimeter, Jerome Leroy schoss aus dem Gewühl an den Pfosten. Dann war aber doch Schluss und am Rande des Harzes wurde gejubelt, während einige Rathenower auf Rasen und Rängen ihre Tränen nicht zurückhalten konnten. Was Optik geleistet hat, kann man vielleicht daran erkennen, dass kaum ein Gästeanhänger das Stadion verließ. Minutenlang wurde das Team gefeiert, bis schließlich die Mannschaft zum Abklatschen an den Zaun kam.

Nun sollen sich die Kicker erst einmal erholen. Wie, wann und mit wem es weitergeht, wird in den nächsten Tagen bekannt gegeben. Dass nach so einer Nervenschlacht keine tiefgreifenden Analysen der Verantwortlichen erwartet werden dürfen, weiß jeder, der sich intensiv mit Fußball beschäftigt. So fielen die Statements der Trainer auch sehr kurz aus.

Ingo Kahlisch: "Glückwunsch an den Kollegen, sein Trainerteam, die Mannschaft und den ganzen Verein. Schade, dass der NOFV nach zwei solchen Spielen nicht den Arsch in der Hose hat, seine eigenen Richtlinien umzusetzen, dann wären jetzt beide oben."

Andreas Petersen: "Ich bin völlig ausgepumpt und leer. Und ganz ehrlich, ich hätte es auch Rathenow gegönnt."

HALBERSTADT: Guderitz - Eggert, Lachheb, Blume - Boltze (G), Baloki (G)- Goslar (72. Messing), Michel (30. Schlegel), Twardzik - Hübner (77. Oschmann), Beil

RATHENOW: Rogall - Watanabe, Ringhof, Turan (15. Duljevic), Stachnik (76. N. Krause) - Langner, Ucar (G)- Wilcke, Leroy, Erkic (78. Weber) - Kapan

TORE:
1:0 Beil (31.)
1:1 Ringhof (39.)
2:1 Schlegel (71.)
3:1 Twardzik (75.)