FSV OPTIK RATHENOW

Brandenburgischer Landespokalsieger 2013, 2014

OBERLIGA

TABELLENFÜHRUNG AUSGEBAUT

Gegen den bisher ungeschlagenen BSC Süd 05 gewinnt Optik mit 3:1 und festigt seine Tabellenführung.

"Gegen eine sehr gute Mannschaft haben wir es gut gemacht", beschrieb Brandenburgs Trainer Özkan Gümüs den kleinen, aber ausschlaggebenden Unterschied. In einem niveauvollen Oberligaspiel setzte sich der FSV Optik gegen die bis dahin ebenfalls noch ungeschlagene Elf vom BSC Süd 05 mit 3:1 durch.

Es war angerichtet am Vogelgesang. Erster gegen Dritter, mehr als 500 Besucher, goldenes Oktoberwetter - und dazu dann auch noch zwei Mannschaften, die zeigten, dass sie zu Recht oben stehen.

Mit viel Engagement und hohem Tempo legten die Akteure los, wobei auf jeder Seite ein ganz wichtiger Spieler fehlte. Genau wie Rekordtorschütze Rene Görisch bei den Gästen, hatte Rathenows Julian Ringhof am Mittwoch versucht, wieder voll ins Training einzusteigen. Bei beiden ging es nicht. Aber nicht deshalb waren trotz des guten Niveaus Chancen eher Mangelware. Optik und Süd hatten das selbe System mit einer Doppelsechs vor der Viererkette gewählt und lauerten auf Fehler des anderen. Natürlich gab es die ab und zu, aber eben nicht in den Abwehrreihen.

Wirklich große Gelegenheiten standen nach 45 Minuten je eine in den Notizbüchern. Nach einem Freistoß des an diesem Tag überragenden Marc Langner rettete Torhüter Toni Neubauer beim Nachschuss von Benjamin Wilcke mit famoser Parade die Null. Auf der Gegenseite war es Enes Aydin, dessen Freistoß das Tor haarscharf verfehlte. Diese beiden Beispiele zeigen schon, es ging in den Zweikämpfen rassig zu. Nur zu Beginn ließ sich der FSV von der robusten Brandenburger Spielweise mehrfach beeindrucken, dann wurde der Fight angenommen.

Kurz nach dem Wechsel war es passiert. Zum ersten Mal in dieser Saison geriet Optik in Rückstand. Den 30-Meter-Volleykracher von Maurice Froelian hielt Bjarne Rogall stark, nach der folgenden Ecke war er machtlos. Karol Orlos leitete das Leder am kurzen Pfosten stehend weiter auf Bartosz Szymanski, der aus Nahdistanz zum 0:1 vollendete.

Und hier ist bei diesem an sich schönen Fußballnachmittag Kritik angebracht. Denn während die Mannschaft das 0:1 wegsteckte, galt das leider nicht für alle Zuschauer. Wie einige das Team nach immerhin 35 Oberligapartien ohne Niederlage aufs unflätigste beschimpften, ging einfach zu weit. Vielleicht denken die Angesprochenen einfach mal selbst in Ruhe darüber nach... Hier soll nun wieder Fußball im Mittelpunkt stehen.

Rathenow ruckte schnell an, nur gefährlich wirkte es zunächst nicht. Murat Turhan verpasste eine Flanke knapp, ein Kopfball von Süleyman Kapan flog vorbei. Nach einer guten Stunde fiel dann aber das 1:1. Marc Langner, Jerome Leroy, Benjamin Wilcke - alles direkt, alles schnell. Zu schnell offenbar für die BSC-Abwehr. Benny stand jedenfalls im Strafraum komplett frei und schob am Keeper vorbei zum 1:1-Ausgleich ins linke Eck.

Nun wurde der FSV überlegen. Bei den Kraftreserven lagen die Vorteile der Hausherren. Denn plötzlich kam man über außen durch, was vorher kaum der Fall war. Dennoch war das 2:1 irgendwie auch ein Stück aus dem Kuriositätenkabinett. Tefvik Turan stand bei einer Spielunterbrechung bereit, sollte Süleyman Kapan ersetzen. Unmittelbar zuvor muss irgendetwas die Brandenburger Bank erzürnt haben, wilde Diskussionen mit Assistent Dominic Kobudzinski folgten. So nahm dieser die rufenden und gestikulierenden Verantwortlichen von Optik nicht wahr, das Spiel wurde wieder freigegeben - ohne Auswechslung. Und was passierte? "Süle" brachte eine Eingabe genau auf den im Strafraum lauernden Murat Turhan. Der Abschluss war fast eine Kopie des Ausgleichs, erneut links unten zappelte der Ball im Netz.

Mit dem 2:1 im Rücken und den "Spitzenreiter, Spitzenreiter"-Rufen von vorn konnten die Gastgeber das machen, was ihnen besonders gut liegt: kontern. Da gab es dann auch "Trost" für Tefvik Turan, der ja zuvor so lange an der Außenlinie warten musste. Seinen präzisen Pass nutzte Murat Turhan zum 3:1. Ganz kurz danach ging ein Wunsch in Erfüllung. "Gesund werden und Einsatzzeit bekommen", hatte der so lange verletzte Burak Tasar als sein persönliches Saisonziel im Programmheft-Interview angegeben. In der 84. Minute war es soweit, der vom 1. FC Magdeburg gekommene Abwehrspieler kam zu seinem Saisondebüt. So kam auch er wenig später in den Genuss des Jubels von Mannschaft, Betreuern und Fans.

Özkan Gümüs: "Gegen eine sehr gute Mannschaft haben wir es gut gemacht. Lange haben wir kaum was zugelassen, durch einen Standard das 1:0 gemacht. Aber wenn du gegen eine so gute Mannschaft nicht noch eine Schippe drauf legen kannst, wird es schwer. Du kannst gegen einen Murat Turhan nicht alles verteidigen, du weißt, das ist ein Strafraumstürmer, willst ihn zustellen. Aber früher oder später ist er eben doch da. Der braucht eben keine drei Chancen, um mal zu treffen, auch Optiks erstes Tor war gut rausgespielt. Wir waren ja heute nicht schlecht, aber einfach zu grün hinter den Ohren. Trotzdem, ich denke, wenn wir die Truppe so zusammenhalten können, kann sich bei Süd was gutes entwickeln." Und angesprochen auf den fehlnden Torjäger meinte Gümüs: "Ach nein. Rene hat immer wieder zwischendurch mal gefehlt, daran mache ich es nicht fest. Auch wir haben doch inzwischen einen Kader von 20 Mann."

Ingo Kahlisch: "Das war jetzt aber viel Lob. Heute wussten wir alle, wie schwer es wird, das 2:3 in der Vorbereitung kannten die Jungs alle noch. Von daher wusste ich, Süd hat sich enorm entwickelt, ist enorm laufintensiv. Ich denke, es war ein sehr, sehr gutes Oberligaspiel. Der Gegner musste ja zuletzt in jedem Spiel bis an die Leistungsgrenze gehen, von daher hatten wir uns nach hinten raus schon was ausgerechnet. Der Dosenöffner war das schön herausgespielte 1:1, danach war es zum Ende hin verdient. Was mir nicht gefallen hat, einerseits wünschen wir uns viele Zuschauer, andererseits frage ich mich, was bilden sich einige eigentlich ein? Bei einem Amateurverein beim Stand von 0:1 so dermaßen negativ aufzutreten, das ist doch für die, die hier immer alles tun, zum Kotzen." Und dann gab es ein seltenes Lob: "Für unsere kleine Stadt haben wir doch eine überragende Mannschaft!"

RATHENOW: Rogall - Wilcke, E. Turan, Bilbija, Stachnik (G)- Ortiz (84. Tasar), Langner - Top (88. Yildiz), Leroy, Kapan (77. T. Turan) - Turhan

BRANDENBURG: Neubauer - Froelian (G), Aydin, Gerlach, El-Ali - Orlos, Kohlmann (G)- Jordanov (77. Jaskola), Schmidt (77. Schulz), Wedemann (G/65. Karupovic) - Szymanski

TORE:
0:1 Szymanski (50.)
1:1 Wilcke (64.)
2:1 Turhan (74.)
3:1 Turhan (82.)