FSV OPTIK RATHENOW

Brandenburgischer Landespokalsieger 2013, 2014

OBERLIGA

RÜCKRUNDENAUFTAKT NACH MASS

Optik startet erfolgreich in die Rückrunde und gewinnt gegen Brieselang ohne größere Probleme mit 6:0.

Kurz durschschnaufen musste Ingo Kahlisch trotz des deutlichen Sieges doch erst einmal: „Es ist seit Jahren das gleiche. Man weiß einfach nicht, wie kommt man aus dem Winter raus, hat man wirklich gut trainiert?“

Diese Bedenken konnte der Trainer nach dem Anpfiff relativ schnell beiseite wischen. Optik wirkte hellwach und übernahm von Beginn an die Spielkontrolle, auch wenn zunächst noch die letzte Durchschlagskraft fehlte und es zweimal in der Abwehr brenzlig wurde, als Filip Marciniak (16.) und Patrick Richter (20.) zum Abschluss kamen. Insgesamt wirkten die Hausherren spritziger, zweikampfstärker und gedankenschneller. Die besten Gelegenheiten hatte bis dahin Murat Turhan per Freistoß (14.) und per Kopf (19.).

Die entscheidendere Szene hatte sich aber bereits in der 9. Minute abgespielt. Da waren Brieselangs Torhüter Libera und sein Vordermann, der Ex-Rathenower, Dennis Hildebrand unglücklich zusammengerauscht. Zunächst konnte Libera weitermachen, musste nach einer minutenlangen Behandlungspause dann aber doch vom Platz.

Für ihn streifte sich der 21-jährige Winterneuzugang Janek Albrecht die Handschuhe über. Der hatte kaum den Klettverschluss zugefriemelt, als der Ball das erste Mal im Netz lag. Bei einem harmlosen Freistoß von Jerome Leroy aus 25 Metern hatte er sich komplett verschätzt und hockte schon auf dem Rasen als der Ball ins linke obere Eck segelte.

Drei Minuten später versuchte der Unglücksrabe seinen Fehler wieder gutzumachen und stoppte Optiks durchgestarteten Neuzugang Caner Özcin, allerdings elfmeterwürdig. Wenigstens hier hatte er Glück, denn die Pfeife von Pascal Wien, der mit der fairen Partie keine Probleme hatte, blieb stumm. Albrechts Portion Glück war damit allerdings auch schon aufgebraucht, denn nur weitere fünf Minuten später fast eine Kopie des 1:0: Wieder trat Leroy einen langen, aus Ingo Kahlischs Sicht, eher „halbseidenen Freistoß“ und wieder verschätzte sich Brieselangs Schlussmann...

Mit dem 0:2 schwand bei den Gästen natürlich die Hoffnung auf einen Achtungserfolg beim Tabellenführer - erst recht mit dem 3:0. Nach einer schönen Kombination über Murat Turhan und Benjamin Wilcke traf Caner Özcin zum Einstand im Optik-Dress doch noch.

Nach dem Seitenwechsel brannte der FSV zehn Minuten lang ein Offensivfeuerwerk ab. In dieser Phase wurden die Gäste regelrecht schwindelig gespielt und die Führung auf 5:0 ausgebaut. Erst bereitete Özcin das 4:0 durch Murat Turhan vor (52.) und traf dann eine Minute später selbst. "Da hat Optik klasse Fußball gespielt, gegen den wir nicht mehr viel gegenzusetzen hatten", musste auch Gästetrainer Patrick Schlüter zugeben.

Optik berauschte sich auch selbst an seiner Leistung und verfiel prompt in alte Muster: „Wir haben wieder gesehen, was passiert, wenn wir die Ordnung verlieren und jeder spielt, was er will“, ärgerte sich Ingo Kahlisch über die Phase zwischen der 65 und 75. Minute als Brieselang durch Nachlässigkeiten in der Defensivarbeit zweimal gefährlich zum Abschluss kam.

Chancen, das Ergebnis hochzuschrauben boten sich in der Folge dennoch genug. Eine nutzte Murat Turhan in unnachahmlicher Manier, als er im Strafraum den Ball annahm, sich um seinen Gegenspieler wickelte und zum 6:0 einschob (75.). Seinem dritten Treffer stand zwei Minuten vor dem Ende nur noch der Pfosten im Wege.

Am Ende konnte sich auch Ingo Kahlisch sicher sein – sein Team hat seine Form über die Winterpause gerettet und scheint auf den spannenden Kampf um die Meisterschaft gut vorbereitet. Ein Sonderlob verteilte Optiks Coach am Ende noch für Benjamin Wilcke („er war überragend, körperlich stark und mit einer Topeinstellung - ein echter Führungsspieler“) sowie Marc Langner („unauffällig, aber eine Arbeitsbiene und taktisch sehr wichtig, da er im Mittelfeld für uns viele Zweikämpfe gewinnt.“). Auf die nächsten Wochen freut sich der Trainer denn auch diebisch: „Wir haben keinen Druck und können die Konkurrenz mit jedem Sieg ein bisschen ärgern, das macht schon Spaß“. Am kommenden Samstag reist sein Team zur U23 des F.C. Hansa Rostock.

Patrick Schlüter:
„Den Rückrundenauftakt haben wir uns ein bisschen anders vorgestellt, obwohl wir natürlich wussten, dass die Früchte beim Tabellenführer hoch hängen. Wir haben in den ersten 20 Minuten sehr ordentlich dagegen gehalten. Der Genickbruch für uns war der Ausfall von Radoslaw Libera. Janek Albrecht hatte dann natürlich den ungünstigsten Einstand, den man als neuer Keeper haben kann. Nach der 2:0-Führung haben die Rathenower gezeigt, warum sie da oben stehen. Sie haben einen klasse Fußball gespielt, gegen den wir nicht mehr viel gegenzusetzen hatten. Für uns bricht jetzt die Welt nicht zusammen. Wir werden uns neu konzentrieren und versuchen, in den nächsten Spielen die nötigen Punkte zu holen.“

Ingo Kahlisch: „Wir freuen uns natürlich erstmal, das Spiel gewonnen zu haben, weil man immer nicht weiß: Wie kommt man aus dem Winter raus, haben wir gut trainiert? Die Bedingungen waren zwar schwierig, aber wir wollten unbedingt spielen, denn mit jedem Erfolg setzt man natürlich auch den Mitbewerber etwas unter Druck. Auf den Bodenverhältnissen war das heute nicht so einfach, da ist immer alles möglich, zumal ja Brieselang in den ersten 20 Minuten auch zweimal gefährlich vor unserem Tor auftauchte. Das 2:0 nach zwei eher halbseidenen Freistößen hat uns natürlich in die Karten gespielt. Und dann sind wir selbstbewusst genug und haben auch ordentlich gearbeitet. Später haben wir wieder gesehen, was passiert, wenn wir die Ordnung verlieren und jeder spielt, was er will. Alles in allem haben wir aber verdient gewonnen. Glückwunsch an die Jungs, weiter geht’s. Ich freue mich auf die nächsten Spiele!“

Bilder vom Spiel

Optik: Rogall – Wilcke, Turan (54. Bilbija), Baudis, Watanabe – Ortiz (68. Tasar), Langner – Özcin (58. Kapan), Leroy, Top – Turhan

Brieselang: Libera (27. Albrecht) – Wittur, Gastene, Hildebrand, Weninger – Sato, Lemke, Niederau, Cikaric (46. Rothe) – Richter, Marciniak

Tore:
1:0 Leroy (29.)
2:0 Leroy (37.)
3:0 Özcin (45.)
4:0 Turhan (52.)
5:0 Özcin (53.)
6:0 Turhan (75.)