FSV OPTIK RATHENOW

Brandenburgischer Landespokalsieger 2013, 2014

OBERLIGA

TABELLENVORSPRUNG VERTEIDIGT

Nach zwei sieglosen Spielen ohne Torerfolg hat sich der FSV Optik mit einem 2:1-Erfolg gegen Wismar zurückgemeldet.

Foto: Kay Harzmann

Ingo Kahlisch schickte exakt die gleiche Startelf auf den Platz wie in der Vorwoche, sein Kollege Christiano Dinalo Adigo tat das nicht. Verständlich, hatte Anker gegen Schlusslicht Brieselang doch mit drei Stürmern begonnen. Aber entweder hat seinen Jungs dieses System überaus gut gefallen oder die Defensivreihen beider Vereine hatten sich angesichts der sommerlichen Temperaturen auf eine zwanzigminütige Trinkpause am Anfang des Spiels geeinigt.

Jedenfalls wurde es zu Beginn eine wilde Hatz. Tshomba Luvumbu Oliveira verzog zweimal knapp, Bjarne Rogall klärte stark mit dem Fuß gegen Marcel Ottenbreit - das waren die besten Gelegenheiten der Hansestädter. Beim FSV landete der Ball nach einem wilden Strafraumgetümmel letztlich doch noch bei Keeper Jakub Stanislaw Kosiorek, Jerome Leroy köpfte knapp vorbei, den Schuss von Süleyman Kapan entschärfte Kosiorek und der Versuch des per Kopf nachsetzenden Caner Özcin wurde von Philipp Unversucht von der Linie geschlagen.

Wie gesagt, das alles innerhalb von 20 Minuten. Dann bekamen die 254 Zuschauer ein anderes Bild zu sehen. Der FSV wurde nun klar dominant, Ingo Kahlisch zeigte sich später mit der ersten Hälfte "sehr zufrieden". Was fehlte, war ein Tor. Zum Glück nur bis dreizehn Sekunden vor dem Pausenpfiff. Da hatte sich Benny Wilcke einfach mal was zugetraut und aus etwa 20 Metern abgezogen. Der Aufsetzer schlug unmittelbar neben dem linken Pfosten zum 1:0 ein.

Das Geschehen nach der Halbzeit begann zwar mit einer Schrecksekunde - den Kopfball aus Nahdistanz von Luvumbu Oliveira parierte Bjarne Rogall mit einem sensationellen Reflex - aber insgesamt ging es zunächst mit einer starken Optik-Elf weiter. Dreimal hatte Kapitän Jerome Leroy die Gelegenheit zur Vorentscheidung. Gut, der erste Versuch war eher kurios. Ein wohl als Flanke gedachter Freistoß segelte an Freund und Feind vorbei, dann griff noch der Keeper daneben, aber hauchdünn am Pfosten vorbei landete der Ball im Aus. Es folgten zwei Direktschüsse: Erst nach einem Solo, dann nach guter Vorarbeit von Süleyman Kapan - beide verfehlten ihr Ziel.

Das galt dann nicht auf der anderen Seite, wo Sebastian Schiewe nach gleich mehreren Unzulänglichkeiten in Optiks Abwehr recht frei stehend zum 1:1 einköpfte. Was fünf Minuten später passierte, dürfte auf der langen Heimfahrt bei den Anker-Kickern noch für reichlich Gesprächsstoff gedient haben. Wieder war der starke Tshombe Luvumbu Oliveira Flankengeber. Da alle, einschließlich Torhüter Rogall, nicht ans Leder kamen, stand Schiewe diesmal total frei, und das einen(!) Meter vor der Torlinie. 7,32 Meter breit ist so ein Fußballtor - wie er es schaffte, den Ball an den Pfosten zu schießen, war nicht zu ermitteln.

Statt hinten zu liegen, bekam Optik die zweite Luft. Ein Volleykracher von Emre Turan, mit vollem Risiko abgezogen, flog hoch über das Tor. Und der glücklose Murat Turhan, der schon in der 22. Minute nach feinem Kapan-Solo eine große Chance verstolpert hatte, köpfte acht Minuten vor Schluss unbedrängt vorbei. Dann gab es jedoch noch einen Freistoß, und diesmal, obwohl von der Position her viel ungünstiger, traf der Torjäger zum 2:1.

Der Rest war Jubel auf der einen und Frust auf der anderen Seite. Marllex Abdulai, zwei Minuten vorher verwarnt, gab Schiedsrichter Pascal Wien einige unpassende Worte und flog noch vor Wiederanstoß mit Gelb-Rot vom Platz. In der Nachspielzeit gelang es Rathenow, den Gegner vom eigenen Strafraum fernzuhalten, so dass der Sieg nicht mehr in Gefahr geriet.

Christiano Dinalo Adigo: "Das war für die Zuschauer eine spannende Partie, ein echtes Spitzenspiel. Ein Riesenkompliment an meine Mannschaft. Nach dem Rückstand zum ungünstigsten Zeitpunkt haben wir uns in der Pause vorgenommen, weiter ordentlichen Fußball zu spielen. Den Schock haben wir verdaut und meiner Meinung nach verdient den Ausgleich gemacht. Was kurz danach kam, hat jeder gesehen. Schade, für eine Klasseleistung haben wir uns nicht belohnt."

Ingo Kahlisch: "Wir wussten, wie schwer das heute wird. Mit der ersten Halbzeit war ich sehr zufrieden. Was fehlte, war ein Tor. In der 45. war der Ball dann endlich drin. Auch in der zweiten Hälfte fand ich das zunächst recht geordnet. Aber mit zunehmender Spieldauer wurden wir nachlässiger im Abwehrverhalten und nach eklatanten Abwehrfehlern bestraft. Dann hatten wir Glück bei der Riesenchance. Nach hinten raus mag der Sieg etwas glücklich sein, über die gesamten 90 Minuten aber nicht ganz unverdient. Selten hat man in der Oberliga zwei Mannschaften mit so viel Feuer."

RATHENOW: Rogall - Watanabe (G), Turan, Bilbija, Wilcke - Langner, Ortiz (G/75. Baudis) - Özcin (61. Top), Leroy, Kapan (89. Weber) - Turhan

WISMAR: Kosiorek - Weisenborn, Unversucht(G), Ney, Pais Rodrigues - Ottenbreit (G/85. Esteves Lima), Wahab (79. Ostrowitzki), Vierling (G/46. Mbengani), Abdulai (85.G/R) - Luvumbu Oliveira, Schiewe

TORE:
1:0 Benjamin Wilcke (45.)
1:1 Sebastian Schiewe (68.)
2:1 Murat Turhan (85.)