FSV OPTIK RATHENOW

Brandenburgischer Landespokalsieger 2013, 2014. Oberligameister 2015, 2018

REGIONALLIGA

ZUM DRITTEN MAL UNGESCHLAGEN

Beim Berliner AK erspielt (erste Hälfte) und erkämpft (zweite Halbzeit) sich der FSV Optik Rathenow ein 1:1.

Hat Optik wieder nicht gewonnen oder ist der FSV zum dritten Mal in Folge ungeschlagen geblieben? Für Spieler, Trainer und Fans war die Antwort klar - das letztere ist der Fall!

Nur 147 Zuschauer verloren sich im Poststadion. Die etwa 30 FSV-Anhänger veranstalteten, bedingt auch durch die besondere Akustik der großen Anlage, ein Spektakel wie lange nicht, feuerten ihre Lieblinge unglaublich an.

Die bedankten sich vor der Pause gleich mit drei Treffern. Leider zählte nur einer davon. Emre Turan köpfte einen lang gezogenen Freistoß fast von der Strafraumgrenze über den verdutzten Pascal Kühn zum 0:1 ins lange Eck.

Davor und danach war Caner Özcin "erfolgreich". Unstrittig beim ersten Tor, sein Körpereinsatz war jenseits des Erlaubten, diskussionswürdig beim zweiten Abschluss. Viele bezweifelten, dass dabei eine Abseitsstellung vorlag. Allerdings muss fairerweise erwähnt werden, dass der Assistent genau auf Ballhöhe, und die Fahne sofort oben war. Und Videoassistenten gibt es in der vierten Liga bekanntlich nicht.

Um nicht den Eindruck totaler Rathenower Überlegenheit aufkommen zu lassen - die technisch sehr gut ausgebildeten Athletikklubberer hatten wie erwartet viel mehr Ballbesitz als Optik, spielten sich immer wieder geschickt bis zum Strafraum durch. Aber meist auch nicht weiter. Lediglich nach vier Minuten musste Lucas Hiemann gegen Pierre Merkel Kopf und Kragen riskieren, nachdem er bei dessen erstem Versuch das Leder nicht unter Kontrolle bringen konnte. Es blieb die einzige kleine Unsicherheit des Rathenower Keepers im gesamten Spiel.

Der FSV befreite sich fast immer geschickt und mit spielerischen Mitteln, kam über gutes Kurzpassspiel zügig selbst nach vorn. Und wenn es mal nicht anders ging, wurde die Brechstange rausgeholt. Nach gut 25 Minuten ein Raunen auf der Tribüne, Marc Langner hatte einen Ball in den Wald hinter dem Poststadion geschossen. Wer die Anlage kennt, die für Olympia 1936 auf ein Fassungsvermögen von 60.000 Zuschauern ausgebaut wurde, weiß was da dazugehört.

Um es kurz zu machen, der BAK musste zu Fernschüssen greifen, anders kamen sie nicht durch. Meist war Cihan Kahraman der Absender. Drüber, vorbei oder in die Arme von Hiemann, das 0:1 zur Pause war gar nicht mal so unverdient. Das alles war Folge einer taktischen Überraschung. Ingo Kahlisch war vom seit Jahren bewährten 4-2-3-1 abgewichen, hatte mit Yavuz Aydogdu nur einen Sechser aufgestellt und dafür das Mittelfeld vor allem defensiv verstärkt. Berlin kam nicht ins Spiel.

Aus den Katakomben kamen die Gastgeber nicht nur mit einem Doppelwechsel, sondern auch mit viel mehr Druck. Das zahlte sich aus. Der größte Akteur auf dem Feld, Pierre Merkel, köpfte nach einer Ecke zum 1:1 ins Netz. Einen feinen Sinn für Ironie bewies da die kleine Fangemeinde der Hauptstädter mit einem lauten "Danke, Merkel".

Kurz darauf schienen sich alle Fußballgötter einig zu sein, mal wieder was gegen Optik unternehmen zu müssen. Glodi Zingu hatte signalisiert, dass er Probleme mit der rechten Wade hat. Youssef Sakran stand zum Wechsel bereit, da verletzte sich Kevin Adewumi bei einem Zweikampf so heftig, dass es für ihn nicht weiterging. Fünf Minuten später war für Caner Özcin Feierabend. Na ja, Feierabend war für den Polizisten früh um 6 Uhr nach dem Nachtdienst. Aber Caner, der unglaublich geackert hatte, war einfach mit der Kraft am Ende.

Und wieder nur Sekunden später stand dann Emre Turan mit schmerzverzerrtem Gesicht an der Seitenlinie. Der rechte Oberschenkel sorgte für sein Aus. Der für ihn eingewechselte Gojko Karupovic holte sich zwar beim ersten Zweikampf Gelb, fügte sich dann aber gut ein, sicherte vorne viele Bälle. Aber es war schon mal klar, Zingu musste durchhalten.

Dann gab es eine Viertelstunde vor dem Ende die einzige wirklich hässliche Szene des ansonsten recht fairen Spiels. Marc Langner wurde am Spielfeldrand von Marcus Mlynikowski böse gefoult und längere Zeit behandelt. Auch er biss die Zähne zusammen.

Der BAK wollte unbedingt den Sieg, Angriff auf Angriff rollte auf das Tor der Gäste zu. Merkel verpasste zwei weitere gute Kopfballgelegenheiten, da war ein bisschen Glück dabei. Ansonsten musste Lucas Hiemann aber nicht allzu oft eingreifen. Den letzten großen Aufreger gab es in der 87. Minute, als Enes Küc im 16er zu Boden ging, der unmittelbar daneben stehende Schiedsrichter Tim Kohnert aus Ballenstedt aber sofort auf weiterspielen entschied. Und an diesem kalten, aber sonnigen Sonntag überstand Optik auch die Nachspielzeit und wurde von den mitgereisten Anhängern zu Recht gefeiert.

Ingo Kahlisch: "Zunächst, es war ein Spiel bei Freunden, ich möchte mich für die auch heute wieder erlebte Gastfreundschaft bedanken. Zum Spiel, der BAK ist stark, auch wenn es momentan nicht so läuft. Das wussten wir und wollten wir nutzen. In der ersten Hälfte ist uns das gut gelungen, mit klugem Kurzpassspiel sind wir immer wieder schnell nach vorne gekommen und haben hinten wenig zugelassen. In der zweiten Halbzeit hat es nicht mehr so geklappt. Umso glücklicher sind wir über den Punktgewinn. Aber man hat auch gesehen, einige bei uns müssten eigentlich mehr trainieren."

Dirk Kuhnert: "Wir sind mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Wir wussten natürlich, dass es schwer wird, strotzen im Moment ja auch nicht gerade vor Selbstbewusstsein. Hurra-Fußball konnte also keiner erwarten. Aber dennoch haben wir uns mehr versprochen, konnten gegen einen tiefstehenden Gegner allerdings keine Lösung finden. Es ging dann in die richtige Richtung, der Pierre macht ja auch wieder sein Tor. Aber wie schon des öfteren, trotz bester Chancen setzt er keinen drauf. Es fehlt uns ein bisschen Glück und, ja, vielleicht auch ein Stück Qualität. Das nagt natürlich an mir, an der Mannschaft und am Präsidenten."

Optik: Hiemann - Langner, Turan (71. Karupovic/G), Bilbija (G), Zingu - Aydogdu - Wilcke, Hellwig, Leroy, Adewumi (62. Sakran) - Özcin (67. Kapan)

Tore:
0:1 Emre Turan (32.)
1:1 Pierre Merkel (58.)