FSV OPTIK RATHENOW

Brandenburgischer Landespokalsieger 2013, 2014. Oberligameister 2015, 2018

REGIONALLIGA

TRAURIGER TAG FÜR DEN FSV

Optik verliert gegen Chemie Leipzig mit 0:1 und ist in Gedanken bei Glodi Zingu, der sich bei einem Zweikampf schwer verletzte.

"Ich war gerade im Krankenhaus, Glodi ist zumindest wieder ansprechbar." Dieser Satz von Ingo Kahlisch, geäußert am Abend, ist wichtiger als das Ergebnis. Gegen Chemie Leipzig blieb der FSV Optik auch im fünften Anlauf erfolglos, überschattet wurde das 0:1 jedoch von einem furchtbaren Zusammenprall.

Vor dem Anpfiff sorgten Rathenows Einlaufkinder für ein Stimmungsübergewicht. Während der Partie machten dann weit über 300 friedliche, lautstarke Chemiefans aus einem Abstiegsduell eine "geile Regionalligatmosphäre" (Ingo Kahlisch). Auf dem Platz ging es weit weniger stimmungsvoll zu. Leipig stand sehr kompakt, war zweikampfstark und ließ den FSV so gut wie nicht ins Spiel kommen.

Eigentlich hätte alles nach acht Minuten vorentschieden sein können. Tomas Petracek kam über links durch und bediente den im Fünfmeterraum komplett freistehenden Florian Schmidt. Dessen Schuss konnte Lucas Hiemann irgendwie noch vor der Linie entschärfen.

Danach kamen beide Teams nicht mehr zu Abschlüssen. Ob es den kurz vor der Pause gegeben hätte? Alexander Bury versuchte sich durchzuwursteln und wurde im Strafraum von Yavuz Aydogdu zumindest behindert. Bury kam zu Fall und Schiedsrichter Chris Rauschenberg pfiff Elfmeter. Ob das zwingend so sein musste, bezweifelten viele Zuschauer, eine Fehlentscheidung war es sicher nicht. Tommy Kind trat an. Lucas Hiemann war in der richtigen Ecke, konnte den platziert getretenen Ball zum 0:1 aber nicht mehr erreichen.

Aus der Kabine kam Optik voller Tatendrang, traf aber zu viele falsche Entscheidungen. Bezeichnend eine Szene aus der 47. Minute. Nach einem Freistoß kam Kevin Adewumi im Strafraum an das Leder. Statt aus der Drehung abzuziehen, schoss Kevin den Ball wieder aus der Gefahrenzone heraus.

Trotzdem: Nach und nach wurde der FSV überlegen. Das barg natürlich die Gefahr von Kontern, aber diese spielten die Gäste fast immer schlecht zu Ende. So glaubte Rathenow wieder an sich. Jerome Leroy jagte einen direkt genommenen Abpraller noch vorbei, in der 63. Minute schien der Ausgleich dann fällig. Adewumi schoss aus der Distanz über den nicht optimal postierten Benjamin Bellot. Viele der 822 Zuschauer jubelten bereits, doch von der Lattenunterkante prallte der Ball zurück.

Dann parierte Bellot gegen Zingu. Dieser Glodi Zingu geriet nach 80 Minuten unfreiwillig in den Mittelpunkt des Geschehens. Nach einer Freistoßeingabe ging er mit Tommy Kind ins Kopfballduell. Das Spielgerät erreichten beide nicht, knallten aber voll mit den Köpfen zusammen. Kein Vorwurf an den Gästespieler, es war kein Foul. Während Chemies Torschütze recht bald wieder stand, blieb Glodi bewusstlos liegen.

Minutenlang bemühten sich Physio Robert Berlin und herbeigeeilte Rettungssanitäter um den Abwehrrecken. Selbst der stimmgewaltige Leipziger Fanblock verstummte, es wurde mucksmäuschenstill im weiten Rund. Als es dann endlich mit der Trage zum Krankenwagen ging, ga es eine tolle Geste, die so gar nicht ins Bild der pöbelnden, randalierenden Fans passt. Riesenapplaus und "Gute Besserung"-Rufe von allen Anhängern, egal ob rot- oder grün-weiß. Dafür auch an dieser Stelle nochmals ein Herzlicher Dank an die Supporter der BSG!

All das führte zu einer Rekordnachspielzeit von acht Minuten, in der Optik allerdings nicht mehr entscheidend vor den Kasten kam. So blieb es bei einer doppelt bitteren Heimniederlage.

Miroslav Jagatic:"Ich bin über den Sieg sehr glücklich. Wir hatten in der Anfangsphase zwei drei Möglichkeiten, um 1:0 in Führung zu gehen. Im Nachhinein gehen wir dann durch einen Elfmeter in Führung. Leider haben wir es verpasst, das zweite Tor nachzulegen. Rathenow kam mit sehr viel Druck aus der Kabine, hat super gekämpft, alles nach vorne geschmissen und zwei, drei Chancen gehabt, bei denen wir auch Glück hatten. Die Konter haben wir nicht sauber ausgespielt und deswegen nicht den Sack zugemacht. Dann kam der Vorfall, wo wir dem Rathenower Jungen gute Besserung wünschen. Fußball ist zwar eine schöne Sache, aber die Gesundheit das A und O."

Ingo Kahlisch: "Wir hatten durch die Chemie-Fans heute eine geile Regionalliga-Atmosphäre. Das Spiel hatte ich so erwartet - dass Chemie sehr kompakt und robust verteidigt. Wir haben es am Anfang mit Kurzpassspiel von hinten raus versucht, wo wir ein paar Mal auf den Arsch gefallen sind. Es war ein Spiel mit relativ wenigen Torchancen. Wenn es 0:0 ausgeht, hätte sich auch niemand beschweren können. Meine Jungs sind gerannt und haben alles versucht, haben aber nicht die Möglichkeiten, solch einen kompakten Haufen auszuspielen. Da muss dann mal ein Sonntagsschuss oder eine Einzelaktion her und das war nicht drin. Wir müssen uns nach dieser Heimniederlage wieder erholen."

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RATHENOW: Hiemann - R. Techie-Menson, Bibija, Turan, Zingu (85. Sakran) - Hellwig (G), Aydogdu - Adewumi, Leroy (G / 63. Özcin), Wilcke (77. Karupovic) - Kapan (G)

LEIPZIG: Bellot - Boltze (G), Karau, B. Schmidt, Wajer - F. Schmidt (G / 61. Keßler), Wendschuch (G), Heinze (G), Bury (G) - Kind (87. Nikolajewski), Petracek (69. Ibisevic)

TORE: 0:1 Kind (40./FE)