FSV OPTIK RATHENOW

Brandenburgischer Landespokalsieger 2013, 2014. Oberligameister 2015, 2018

REGIONALLIGA

SENSATIONSSIEG GEGEN DEN TABELLENFÜHRER

Nach einem Hattrick von Lucas Will gewinnt Optik sensationell und verdient mit 3:1 gegen Tabellenführer Berliner AK.

Ingo Kahlisch zeigte sich sehr zufrieden mit der Leistung seines Teams: “Heute lobe ich die ganze Mannschaft. Sie hat genau das umgesetzt, was wir besprochen haben.” Foto: Archiv

So wie die Hinrunde für den FSV Optik begann, endete sie auch - mit einer faustdicken Überraschung gegen eine Berliner Spitzenmannschaft. Vier Monate nach dem 1:1 bei der VSG Altglienicke wurde der bisherige Tabellenführer Berliner AK durch ein 3:1 gestürzt. Zumindest bis Sonntag hat Rathenow sich dadurch über den ersten, dicken Strich der direkten Abstiegsplätze gehievt.

Mit der eingangs erwähnten Überraschung ging es bereits beim Verlesen der Aufstellungen los. Justin Marcel Gröger, zu Wochenbeginn noch als Krankenhauspatient vermeldet, stand in der Startformation. Dass es bei ihm nicht für 90 Minuten reichte, war klar, schadete einer Optik-Elf, der Ingo Kahlisch später ein "alle zwischen Gut und Sehr Gut"-Zeugnis ausstellte, aber nicht.

Das war es dann jedoch vorläufig mit dem Außergewöhnlichen. Tabellenerster trifft auf den Tabellenletzten. Genau so sah es auf dem Platz aus, oder wie Ingo Kahlisch meinte: "In den ersten zehn Minuten ist mir Angst und Bange geworden." Abwartende, fast schon ängstliche Heimakteure ließen mehrere Eckbälle zu. Der erste gefährliche Schuss der Gäste kam erst danach. Nader El-Jindaoui fasste sich ein Herz und zog von der Strafraumgrenze ab. Der Ball landete knapp neben dem FSV-Tor.

Ansonsten resultierten Tormöglichkeiten meist aus Standards, sprich Freistößen. Bei Optik probierte es Emir Sejdovic zweimal, bei den Athleten unmittelbar vor der Pause El-Jindaoui. Hier zeigte Lucas Hiemann eine tolle Parade. Aus dem Spiel heraus setzte sich Jonathan Muiomo in der 38. Minute zentral durch und legte quer zu Ali Gündogdu. Dessen Versuch war leider zu hoch angesetzt.

Viel änderte sich nach dem Pausentee zunächst nicht, außer das die erste Aktion nun den Hiesigen gehörte. Johnny Muiomos Abschluss kam zu zentral, Pascal Kühn konnte den Ball über die Latte lenken. "Ich habe nicht so sehr viele Chancen für den BAK gesehen." Die Aussage des Rathenower Trainers ist korrekt, doch eine Spitzenmannschaft braucht halt auch nicht viele.

Und so ging die Truppe aus Moabit mit ihrem ersten Nachpausenschuss in Führung. Absender war, na klar, Nader El-Jindaoui. Es war bereits sein elfter Saisontreffer. "Nach dem 0:1 habe ich gedacht, wenn wir das nach Hause bringen, ist das okay. Ein Feuerwerk habe ich von uns nicht erwartet." Berlins sypathischer Trainer Andre Meyer wusste um die Schwere der Aufgabe.

Mehr als die Hälfte seines Teams befand sich ja bis zum letzten Wochenende in Quarantäne und musste dann praktisch ohne Vorbereitung am Dienstag im Pokal ran. Es spricht für ihn, dass er darin keine Ausrede suchte, sondern resümierte: "Wir haben die Rahmenbedingungen nicht angenommen. Kalter Regen, tiefer Boden, das kam der Heimmannschaft sicher mehr entgegen als uns. Aber auf die Art darf der Ausgleich nicht fallen."

Gemeint war das schnelle 1:1, als Lucas Will nach einem Einwurf abschließen durfte. Danach spielte sich wie in der ersten Halbzeit der Großteil zwischen den Strafräumen ab. Während also auf dem Rasen immer noch alles wie gewohnt ablief, geschah auf den Rängen ungewöhnliches. Lauter und lauter wurden die trotz der nasskalten Witterung zahlreichen Zuschauer (361 hatten an den Kassen ihren Obolus entrichtet).

Als es dann immer wieder zu Wechselgesängen zwischen Gegengeraden und Tribüne kam, sprang der Funke endgültig über. "Wir haben uns im Laufe des Spiels unheimlich stabilisiert und uns in einer geilen Stimmung mit Leidenschaft ein Happy-End beschert. In dieser Saison gab es schon so viele Spiele, wo wir nicht belohnt wurden, heute lobe ich die ganze Mannschaft. Sie hat genau das umgesetzt, was wir besprochen haben", so Ingo Kahlisch.

Über die Schlussviertelstunde urteilten beide Trainer ähnlich, nur mit unterschiedlichen Worten. Ingo Kahlisch meinte: "Nach hinten raus haben die Berliner aufgemacht, diesmal hatten wir aber das bessere Ende." Andre Meyer: "Nach hinten raus haben wir, was das kräftemäßige angeht, brutal unsere derzeitigen Grenzen aufgezeigt bekommen."

Dabei ließ der FSV die eigentlich größte Chance ja liegen. Die gab es wieder durch einen Freistoß von Emir Sejdovic. Torhüter Pascal Kühn ließ den Ball direkt vor die Füße von Glodi Zingu prallen, der aus Nahdistanz über das Tor schoss.

Dann kamen die, inklusive Nachspielzeit, verrückten letzten sechs Minuten. Noch in der eigenen Hälfte wurde Optik ein erneuter Freistoß zugesprochen. Viele Fans blickten etwas angstvoll, Rathenow orientierte sich gegen den Spitzenreiter ja fast vollständig nach vorn. Nur Schiedsrichterbetreuer Yves Reimer wusste, was kommt: "Jetzt bereiten wir den Lucky-Punch vor." Der Ball flog nach links zu Johannes Pistol, von dort nach rechts zu Vassilios Polichronakis. An dessen scharfe Hereingabe kam Lucas Will soeben mit der Fußspitze heran. Das genügte, das Leder trudelte unmittelbar zum 2:1 neben dem linken Pfosten ins Netz.

Schnell, direkt und wunderschön - so richtig verstehen wird man das erst, wenn die Bilder von Ostsport.TV abrufbar sind. Die ewig lange Nachspielzeit war übrigens zum großen Teil darin begründet, dass sich die Jubeltraube aus Spielern, Wechslern und Betreuern nur langsam wieder auflöste. War an diesem Flutlichtabend egal, denn bei den völlig konsternierten Gästen lief nun alles schief.

Noch ehe die offiziellen 90 Minuten abgelaufen waren, luchste Lucas Will seinem Gegenspieler den Ball ab, zog bis in den Strafraum und schob am Keeper vorbei zum 3:1, und damit einem lupenreinen Hattrick, ein. Für stolze Rathenower ging es nach dem Abpfiff dann noch auf eine Ehrenrunde zu den Fans.

Lucas Will hatte nach seinem lupenreinen Hattrick dreifachen Grund für seinen Tor-Salto. Foto: Archiv

"Ja, natürlich sind wir enttäuscht, wir wollten hier drei Punkte holen. Wir müssen ja am Dienstag schon wieder gegen den BFC ran, jetzt müssen wir sehen, wie wir die Jungs bis dahin wieder hinkriegen", so Andre Meyer.

Ingo Kahlisch jubelte und mahnte: "Das ist für alle, die uns hier trotz der Tabellensituation die Treue halten, die immer zum Verein stehen, vor Weihnachten ein schönes Erfolgserlebnis. Für die Jungs ist es natürlich auch vom Kopf her unheimlich wichtig. Wir sind wieder dran an den anderen. Aber es geht um den Klassenerhalt, da war das heute im Gesamtbild erst ein Mosaikstein!" Angesprochen auf den Hattrick meinte er: "Ja, Lucas hat die Dinger vorne gemacht, das freut mich für den Jungen. Aber nicht vergessen, alle anderen haben ja dafür gesorgt, dass das gelingt. Und aus der sehr guten Mannschaftsleistung dürft ihr heute den Thilo Gildenberg noch herausheben."

Bilder vom Spiel gibt es dieses Mal leider nicht, aber inzwischen ist der Spielbericht auf Ostsport.TV online. Viel Spaß beim Genießen...

Optik: Hiemann - Polichronakis, Langner, Zingu, Techie-Menson - Gröger (68. Gustavus), Gildenberg (90.+1 Dzafo) - Gündogdu (46. Pistol), Sejdovic, Muiomo (G) - Will (90.+2 Januario)

BAK: Kühn - Oschkenat (G / 79. Ulrich), Baca, Gjasula, B. Meyer - Yajima (G), Lämmel, Zejnullahu (46. Fontein), Richter (64. Tezel / G) - Kargbo (61. Emghames), El-Jindaoui

TORE:
0:1 Nader El-Jindaoui (54.)
1:1 Lucas Will (56.)
2:1 Lucas Will (89.)
3:1 Lucas Will (90.)